Hjulmand sorgt für Xabi-Alonso-Fieber!
Bei seiner ersten öffentlichen Vorstellung als Cheftrainer von Bayer 04 Leverkusen zeigte sich Kasper Hjulmand als souveräner und authentischer Charakter, der sich deutlich von seinem Vorgänger Erik ten Hag unterscheidet. Die Atmosphäre während der Pressekonferenz war geprägt von einer ruhigen Selbstsicherheit, die der 53-jährige Däne ausstrahlte. Besonders auffallend war Hjulmands Fähigkeit, auf Deutsch zu beginnen und dann, sich für etwaige Sprachmängel entschuldigend, ins Englische zu wechseln.
Simon Rolfes, Geschäftsführer des Klubs, äußerte sich kritisch zur Amtszeit von ten Hag und machte die Entscheidung für Hjulmand mit klaren Vorstellungen von Teamführung und einem harmonischen Arbeitsumfeld deutlich. „Ist es wichtig, einfach einen guten Alltag zu haben: gute Arbeit, gute Trainingsarbeit, ein gutes Miteinander, dass die Chemie stimmt. Und auch Führung der Gruppe“, sagte Rolfes und spielte damit auf die Defizite seines Vorgängers an.
Währenddessen betonte Hjulmand seinen Respekt für den geschassten Niederländer: „Ich habe großen Respekt vor Erik als Trainer und auch als Mensch.“ Er präsentierte sich als jemand, der Prinzipien und klare Werte besitzt und diese auch lebt. Für Hjulmand war es ausschlaggebend, dass seine bisherigen Verpflichtungen beim dänischen Fußballverband DBU erfüllt wurden, bevor er das Angebot von Bayer 04 annahm.
Seine Rolle im dänischen Campus-Projekt und der Talententwicklung war für Hjulmand von großer Bedeutung. „Es ist ein riesiges Projekt, nicht nur mit Gebäuden, sondern auch mit einer Art der Denkweise, einer Art der Entwicklung des Fußballs in Dänemark“, erklärte er. Aus diesem Grund lehnte er auch andere Angebote, wie den Posten des belgischen Nationaltrainers, ab. „Wenn ich etwas verspreche, tue ich es auch“, unterstrich Hjulmand seine Prinzipientreue.
Die Verbindung zu Bayer 04 besteht schon länger, unter anderem durch ehemalige Weggefährten wie Keld Bordinggaard und Ismael Camenforte-Lopez. Dadurch fühlt sich Hjulmand mit der Vereinsphilosophie vertraut. „Ich kenne den Stil des Arbeitens, die Methodik, wie wir arbeiten. Das ist auch, wie ich arbeiten möchte“, führte er aus und betonte, dass er sich bei Bayer 04 nicht verstellen müsse: „Ich habe das Gefühl, dass ich ich selbst sein kann. Ich muss nicht erklären, wie ich Fußball sehe.“
Eine Eingewöhnungsphase hält Hjulmand für überflüssig. „Fernando, Simon, jeder, der um mich herum ist, kennt mich und ich weiß, in was ich mich hineinbegebe.“ Seine Beobachtungen der vergangenen Jahre hätten ihm geholfen, die Identität des Klubs zu verstehen. „Ich konnte viel Identität in der Art, wie sie gespielt haben, erkennen. Als ich sie spielen gesehen habe, habe ich sie gespürt.“
Hjulmand sieht seine Motivation nicht darin, vergangene Bundesliga-Erfahrungen zu korrigieren. Nach seiner Entlassung bei Mainz 2015 verspürt er keinen Groll. „Ich liebe Fußball, ich liebe das Spiel und ich vermisse die Arbeit auf dem Platz“, sagte er. Vielmehr gehe es ihm um Leidenschaft und die Möglichkeit, mit Bayer 04 etwas zu bewegen. „Ich tue das, weil ich das Gefühl habe, dass ich selbst sein kann. Ich kann mit dem Fußball arbeiten, ich versuche, alles zu gewinnen. Das ist meine Leidenschaft, das ist mein Drive. Ich tue nichts, um irgendjemand irgendetwas zu beweisen.“
Ob Hjulmand Bayer 04 tatsächlich zum Erfolg führen kann, bleibt offen. Doch sein souveräner Auftritt und die Klarheit seiner Prinzipien lassen darauf schließen, dass er und der Verein gut zusammenpassen könnten.




