Was Bayern gegen Dortmund einnimmt: Die wahre Ticketpreis-Kluft im deutschen Fußball offenbart sich hier

Was Bayern gegen Dortmund einnimmt: Die wahre Ticketpreis-Kluft im deutschen Fußball offenbart sich hier

Das Westfalenstadion steht stolz da, und mit Recht sind die Dortmunder stolz auf ihr Zuhause. Seit 2016 erlebte die Borussia im eigenen Stadion nur 24 Niederlagen, dafür aber 110 Siege. Das Stadion verkörpert die Emotionen des gesamten Vereins und war Schauplatz vieler großer Momente.

Doch finanzielle Realität ist ernüchternd: Das Westfalenstadion ist kein Goldesel. Offizielle UEFA-Daten zeigen, dass Borussia Dortmund pro Heimspiel 2,2 Millionen Euro einnimmt. Das ist deutlich weniger als der FC Bayern. Der Unterschied summiert sich saisonübergreifend auf etwa 77 Millionen Euro – entsprechend den jährlichen Kaderkosten eines ehrgeizigen Bundesligisten.

Real Madrid führt europaweit mit Gesamteinnahmen von 7,4 Millionen Euro pro Spiel an. Ein durchschnittlicher Zuschauer dort gibt 102 Euro pro Heimspiel aus – fast viermal mehr als ein BVB-Fan mit 27 Euro. PSG-Anhänger zahlen sogar durchschnittlich 137 Euro. Die teuerste reguläre Sitzkarte beim BVB kostet 77 Euro.

Ein Grund für die niedrigen Einnahmen liegt in der Infrastruktur. Das Stadion verfügt nur über 18 VIP-Logen, während Bayern München 106 Einzellogen in der Allianz Arena hat. Selbst Konkurrenten wie Frankfurt bieten 76 VIP-Räume an. Die teuerste Logenkarte kostet beim BVB 10 000 Euro jährlich.

Hinzu kommen hohe Sanierungskosten. Das Stadion verschlingt jährlich bis zu fünf Millionen Euro für Reparaturen. 2024 musste ein neuer Küchenkomplex für elf Millionen Euro angeschafft werden. Sanitäre Anlagen sind für steigende Besucherzahlen zu klein geworden und müssen modernisiert werden.

Ticketpreiserhöhungen sind ausgeschlossen. Geschäftsführungssprecher Carsten Cramer betont: Der BVB muss bezahlbar bleiben. Dies entspricht der wirtschaftlichen Realität Dortmunds: Pro 10 000 Einwohner gibt es 2,3 Einkommensmillionäre, während es in Frankfurt 8,2 sind.

Ein Stadionausbau auf 90 000 Plätze wurde erwogen, scheitert aber an mehreren Hürden. Fluchtflächen reichen nicht aus. Bergbau-Hohlräume im Untergrund erschweren Baumaßnahmen erheblich. Die geschätzten Kosten von 300 Millionen Euro machen das Projekt unrealistisch.

Realistischere Optionen entstehen durch Umwandlung von Sitzplätzen in Stehplätze. Die Südtribüne ist bereits mit 24 457 Stehplätzen Europas größte. Weitere Umbauten könnten mehr Kapazität bieten, ohne erhebliche Kosten zu verursachen. Beim letzten Heimspiel 2024 hätte Dortmund 100 000 Tickets verkaufen können.

Außerhalb von Spieltagen soll das Stadion attraktiver werden. Real Madrid verdient jährlich etwa 45 Millionen Euro durch Stadionführungen. Der BVB generiert nur 1,5 Millionen Euro. Die Geschäftsführung plant mehr Besuchererlebnisse und spricht von großem ungenutztem Potenzial.

Die Kabine wird modernisiert. Begegnungsstätten rund um das Stadion sollen entstehen. Sportgroßveranstaltungen anderer Disziplinen könnten ausgetragen werden. Die Partnerschaft mit NFL-Team Pittsburgh Steelers deutet auf zukünftige Football-Spiele hin. Konzerte sind ausgeschlossen – das Stadion bleibt Sportstätte.

Eine jüngste Innovation ist für normale Besucher unsichtbar: Fast das gesamte Dach wurde mit Fotovoltaikanlagen bestückt. Investition etwa acht Millionen Euro, teilweise von Partnern getragen. Der BVB spart nun jährlich rund 500 000 Euro Energiekosten.

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